Beratungsgespräch Elektriker

VDE-AR-N 4100

Alle wichtigen Informationen zu den Technischen Anschlussregeln Niederspannung für Sie zusammengefasst.

Anwendungsregel VDE-AR-N 4100

VDE-AR-N 4100: Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb

Seit dem 01.04.2019 ist die neue Anwendungsregel mit einer sehr kurzen Übergangsfrist bis zum 26.04.2019 in Kraft.

Das Wichtigste vorweg:
Die technischen Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen werden übersichtlicher. Die Sammlung verschiedenster Normen, Bestimmungen und Richtlinien wurde in einem Dokument zusammengefasst. Die neue VDE-Anwendungsregel schafft somit Sicherheit in der Praxis.

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Die bisherigen Richtlinien sind nun in der VDE-AR-N 4100 gebündelt.

Die bisherigen Richtlinien sind nun in der VDE-AR-N 4100 gebündelt.

Vorgaben zum Überspannungsschutz

Zum Thema Überspannungsschutz hat sich nicht viel geändert. Die Auswahl und die Errichtung von Überspannungsschutzeinrichtungen (SPDs) müssen nach DIN VDE 0100-534 erfolgen. Der Einbau von Überspannungsschutzgeräten (SPDs) im netz- oder anlagenseitigen Anschlussraum eines Zählerplatzes ist jetzt ausdrücklich gestattet.

Vor dem Zähler sind jedoch ausschließlich SPD Typ 1 mit Funkstrecken erlaubt. Diese SPDs dürfen zudem keinen dauerhaften Betriebsstrom durch Statusanzeigen, z. B. LEDs verursachen. Eine mechanische Anzeige ist aber weiterhin nicht vorgeschrieben (siehe Anforderungen an SPD Typ 1 zum Einbau in Hauptstrom-Versorgungssystemen). Die Funkenstrecke muss den nach dem Zünden einsetzenden Folgestrom so begrenzen, dass die Hausanschlusssicherungen nicht auslösen.

Der anlagenseitige Anschlussraum beschreibt den gezählten, nicht verplombten Bereich, oberhalb des Zählers. Hier ist neben den Hauptleitungsabzweigklemmen und der Absicherung von bis zu drei einphasigen Stromkreisen, jetzt auch der mögliche Einbau von SPDs Typ 1 oder Typ 2 mit aufgeführt. Stand der Technik, war das schon lange. Einbaugeräte sind weiterhin bis maximal 6 Teilungseinheiten je Anschlussnutzeranlage, also je Zähler erlaubt. Eine Nutzung als Stromkreisverteiler ist nicht zulässig.

Der FLT-SEC-ZP ist der ideale Überspannungsschutz für Wohngebäude und Zweckbauten und auch nach der VDE-AR-N 4100 einsetzbar.

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Wird der Zählerschrank zur Technikzentrale?

Ob der Zählerschrank zur Technikzentrale wird, entscheidet letztendlich jeder für sich bzw. der Kunde.

Die Hauptaufgabe des Zählerschranks bleibt die Zählung und Verteilung von elektrischer Energie. Dennoch werden entsprechende Anforderungen zur Kommunikation im Zählerschrank berücksichtigt. Hierzu gehört ein Raum für Zusatzanwendungen, der vorzugsweise über dem Zähler, aber unter dem anlagenseitigen Anschlussraum liegt. In diesem Raum wird das Smart-Meter-Gateway untergebracht, wenn es benötigt wird. Außerdem ist im Zählerschrank ein 300 mm hoher, plombierbarer Raum für den APZ (Anschlusspunkt Zählerplatz), angrenzend an der Ober- oder Unterkante des Zählerschranks vorzusehen. Der APZ kann nur in einem eigenen Feld neben den Zählerplätzen verortet werden. Hierdurch reduziert er den Platz für den kundenseitigen Stromkreis- oder Kommunikationsverteiler.

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Bereiche im Zählerschrank

Aufbau des Zählerfeldes und des kundenseitigen Stromkreisverteilers

zur Aufnahme von Hauptleitungsabzweigklemmen oder RCD, zum Anschluss nachfolgender Stromkreisverteiler und von Überspannungsschutz Typ 1 und Typ 2. Außerdem können Abgänge für bis zu drei einphasigen Stromkreisen bis je 16 A für jede Anschlussnutzeranlage (z. B. für Kellerbeleuchtung, Waschmaschine, Trockner) bis max. 6 TE eingebaut werden.

zur Aufnahme von Betriebsmitteln des Netz- oder Messstellenbetreibers (z. B. Smart-Meter-Gateway) und der Absicherung der Spannungsversorgung für diese Geräte und zum APZ.

für die Aufnahme einer Messeinrichtung mit Dreipunktbefestigung oder mit Befestigungs- und Kontaktiereinrichtung (BKE-I).
Bei mehreren Anschlussnutzeranlagen in einer Kundenanlage dürfen zwei Anschlussnutzer über ein Zählerfeld mit zwei Messeinrichtungen versorgt werden.

zum Anschluss der Hauptleitung und zur Aufnahme der selektiven Überstrom-Schutzeinrichtung (z. B. SH-Schalter), Spannungsabgriff bzw. Absicherung für Betriebsmittel des Netz- oder Messstellenbetreibers und Überspannungsschutz Typ 1.

Schnittstelle vom Zählerschrank zum Übergabepunkt des Telekommunikationsnetzes im Haus (Hausübergabepunkt HÜP), z. B. DSL-Anschluss.

Schnittstelle vom Zählerschrank zum Telekommunikationsnetz im Haus

Der APZ (Anschlusspunkt Zählerplatz) ist die Schnittstelle vom Zählerschrank zum Übergabepunkt des Telekommunikationsnetzes im Haus (Hausübergabepunkt HÜP), z. B. DSL-Anschluss. Vom APZ muss eine Datenleitung, mindestens Cat. 5 in einen Raum für Zusatzanwendungen gelegt werden.

Um die Komponenten im Raum für den APZ mit Spannung zu versorgen, ist eine Leitung mit Buchsenstecker vorzusehen. Die Spannungsversorgung erfolgt aus dem netzseitigen Anschlussraum noch vor der Trennvorrichtung für die Anschlussnutzeranlage (SH-Schalter), also direkt von der Sammelschiene aus und wird mit maximal 16 A abgesichert. Diese Sicherung können Sie als Leitungsschutzschalter im netzseitigen Anschlussraum oder im Raum für Zusatzanwendungen installieren. Zum Schutz der Leitungen von der Sammelschiene zum Schutzgerät ist eine erdschluss-/kurzschlusssichere Verlegung erforderlich. Die Nutzung des Raums für Zusatzanwendungen ist in diesem Fall empfehlenswert, da ohnehin eine Leitung für die Spannungsversorgung verlegt werden muss.

Das Smart Meter Gateway wird bei Bedarf im Raum für Zusatzanwendungen installiert. Ist ein Zählerfeld für die Allgemeinstromversorgung vorhanden, muss der Raum für Zusatzanwendungen in diesem Zählerfeld für das Smart Meter Gateway genutzt werden. Ebenso wird der Spannungsabgriff zur Versorgung des Smart Meter Gateway und der Kommunikationseinrichtung im APZ in das Zählerfeld für die Allgemeinstromversorgung eingebaut. Dies gilt auch für die Absicherung des Spannungsabgriffs. Wenn Sie den Spannungsabgriff in einem anderen Gerät, z. B. SPD Typ 1 integrieren, muss die Installation auch im Zählerfeld der Allgemeinstromversorgung erfolgen.

 

Vergessen Sie nicht die Wichtigkeit der Erdung

In neuen Gebäuden ist unabhängig vom Netzsystem ein Fundamenterder nach DIN 18014 unverändert verpflichtend einzusetzen. Zu einer fachgerechten Installation gehört auch eine Dokumentation der Verlegung und aller Verbindungen. Geben Sie diese Verantwortung nicht aus der Hand, denn ein Fundamenterder dient

  • der Erhöhung der Wirksamkeit des Hauptpotenzialausgleichs,
  • der Schutzerdung in TT-Systemen,
  • einer Blitzschutzanlage, auch wenn diese noch nicht vorhanden oder geplant ist,
  • der Schutzerdung von Antennenanlagen,
  • der Schutz- und Funktionserdung von Erzeugungsanlagen und Speichern,
  • der Funktionserdung von Breitband-Kabelnetzen und Telekommunikationsnetzen.

Der PEN-Leiter bzw. Neutralleiter (N) des Niederspannungsnetzes darf in neuen Gebäuden nicht als Erdungsleiter für diese Schutz- und Funktionszwecke verwendet werden.

Natürlich muss im TN-System weiterhin bei der notwendigen Auftrennung des PEN-Leiters in PE- und N-Leiter, eine Verbindung zur Haupterdungsschiene und damit zur Erdungsanlage hergestellt werden. Die Auftrennung kann im Hausanschlusskasten, im netzseitigen Anschlussraum des Zählerschranks oder in einem separaten Gehäuse dazwischen erfolgen. In einem separaten Gehäuse ist auch die Installation eines SPD Typ 1 möglich. Im Hausanschlusskasten (HAK) ist die Installation eines SPD nicht mehr erlaubt.

Wichtig und unverändert gefordert, ist die direkte Anbindung von SPD Typ 1 an die Haupterdungsschiene, mit mindestens 16 mm². Die Verbindung des PE- oder PEN-Leiters zur Haupterdungsschiene ist hiervon unabhängig. Das kann dazu führen, dass zwei Verbindungen zur Haupterdungsschiene direkt nebeneinander verlegt und angeschlossen werden müssen.

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Verbindungen zur Haupterdungsschiene

Überspannungsschutz bei Freileitungseinspeisung

Bei Freileitungsanschlüssen sollte die Installation so ausgeführt werden, dass mit einem möglichst geringen Aufwand, die Anlage auch über einen erdverlegten Kabelanschluss versorgt werden kann. Der für Freileitungseinspeisung nach DIN VDE 0100-534:2016-10, Anhang B, geforderte SPD Typ 1 muss dabei möglichst nah am oder im Zählerschrank eingebaut werden. Dabei gelten die gleichen Regeln wie für erdverlegte Einspeisungen. Empfohlen ist ein weiterer SPD Typ 1, in der Nähe des Freileitungs-Hausanschlusskastens.

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Gebäude mit Freileitungseinspeisung  

Einbau von Überspannungsschutzgeräten bei Freileitungseinspeisung

Strom- und Spannungsfestigkeit

Im Zählerfeld gibt es hohe Anforderungen zur Strom- und Spannungsfestigkeit. Betriebsmittel im Zählerfeld müssen folgende Parameter einhalten:

  • beim Einbau im Hauptstrom-Versorgungssystem (vor der Messeinrichtung):
    25 kA Kurzschlussausschaltvermögen und
    6 kV Bemessungs-Stoßspannung (Überspannungskategorie IV)
  • beim Einbau im Raum für Zusatzanwendungen (nach der Messeinrichtung):
    10 kA Kurzschlussausschaltvermögen und
    6 kV Bemessungs-Stoßspannung (Überspannungskategorie IV)
  • beim Einbau im anlagenseitigen Anschlussraum:
    10 kA Kurzschlussausschaltvermögen und
    4 kV Bemessungs-Stoßspannung (Überspannungskategorie III)
  • beim Einbau im Stromkreisverteiler:
    6 kA Kurzschlussausschaltvermögen und
    4 kV Bemessungs-Stoßspannung (Überspannungskategorie III)

Die Messeinrichtung muss in Kombination mit der vorgeschalteten Überstrom-Schutzeinrichtung (SH-Schalter) eine bedingte Kurzschlussfestigkeit von 10 kAeff aufweisen und der Überspannungskategorie IV (6 kV Bemessungs-Stoßspannung) entsprechen.

Der Einbau von Betriebsmitteln der Überspannungskategorie I oder II im Zählerfeld ist nicht erlaubt. Auch für elektronische Geräte, die im Zählerfeld verbaut werden, muss eine Bemessungs-Stoßspannung von 4 bzw. 6 kV (Überspannungskategorie III bzw. IV) ausgelegt sein.

Der Schutz der Betriebsmittel im Zählerfeld wird durch die Spannungsbegrenzung der Überspannungsableiter sichergestellt. Das gilt auch für SPD Typ 1 oder Typ 2 oder eine Kombination aus beiden, die im anlagenseitigen Anschlussraum, also im gezählten, unverplombten Bereich oberhalb des Zählers, verbaut werden.

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Schutz von Stromzählern

Video: Überspannungsschutz im Zählerschrank

Das Überspannungsschutzgerät Typ 2 VAL-SEC-T2-3S-350/40 erfüllt die Mindestanforderung an den Überspannungsschutz am Speisepunkt der elektrischen Anlage, gemäß DIN VDE 0100-534.

Anforderungen an einen SPD Typ 1

SPDs Typ 1 dürfen im Hauptstrom-Versorgungssystem eingebaut werden, wenn sie den folgenden Anforderungen entsprechen:

  • Produktnorm DIN EN 61643-11 (VDE 0675-6-11)
  • SPD wird bei einem inneren Kurzschluss dauerhaft vom Netz getrennt
  • SPD mit spannungsschaltender Funkenstrecke
    • SPDs, die nur einen oder mehrere Varistoren oder eine Parallelschaltung von Funkenstrecke und Varistor enthalten, sind nicht zulässig
  • die Überprüfung der Statusanzeige ist ohne öffnen plombierter Gehäuse möglich, dabei darf kein Betriebsstrom, z. B. LEDs, dauerhaft fließen
  • die Kurzschlussfestigkeit ISCCR muss mindestens 25 kA betragen
  • ein Folgestrom If nach Ansprechen des SPD darf nicht zum Auslösen der Hausanschlusssicherung führen
  • die schutzisolierten Gehäuse für die Aufnahme von SPDs Typ 1 müssen plombierbar sein

SPD Typ 1 erfüllen in der Regel immer die zusätzlichen Anforderungen eines SPD Typ 2. Der Einbau dieser Kombiableiter vor dem Zähler ist natürlich auch zulässig, sofern sie die o. g. Bedingungen erfüllen.

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Florian Lenzmeier Ihr Experte für Überspannungsschutz

Der Kombiableiter FLT-SEC-ZP kann im netzseitigen Anschlussraum, direkt auf der Sammelschiene installiert werden. Er erfüllt alle genannten Anforderungen an Überspannungsschutzgeräte.

Überspannungsschutz für die Telekommunikationseinrichtung

Die Richtlinie empfiehlt Überspannungsschutz für Kommunikationseinrichtungen. Insbesondere dann, wenn Kommunikationseinrichtungen mit einem Anschluss zum Übergabepunkt des Telekommunikationsnetzes im Haus, dem so genannten Hausübergabepunkt (HÜP), im Zählerschrank geplant sind.

Der Überspannungsschutz wird unmittelbar vor oder im Raum für den APZ eingebaut. Der Zählerschrank ist in der Regel in der Nähe zum Übergabepunkt des Telekommunikationsnetzes, z. B. der DSL-Leitung an der Gebäudeeinführung montiert. Ein SPD an dieser Stelle ist also in unmittelbarer Nähe zum APZ und erfüllt somit die Empfehlung der VDE AR-N 4100. Das gesamte Telekommunikationsnetz im Gebäude ist durch diesen SPD vor Einkopplungen aus dem Netz geschützt.Das ist definitiv eine sinnvolle Alternative zur Empfehlung großer Telekommunikationsanbieter, bei Gewitter den Stecker zu ziehen.

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Beim VDE FNN können Sie die TAR Niederspannung (VDE-AR-N 4100) käuflich erwerben.

Hier haben wir alle Informationen zur Normenänderung im Überspannungsschutz für Wohngebäude und Zweckbauten für Sie zusammengefasst.

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